
Bereits seit langem möchte ich mit unseren beiden Kindern (4 und 6 Jahre alt) auf einer Hütte in den Bergen übernachten. Aus meiner eigenen Kindheit ist mir dabei das Habsburghaus auf der Rax in besonderer Erinnerung geblieben. Damals war ich schon deutlich älter als meine Kids heute und wir haben die Hütte von ganz unten über den Schlangenweg erklommen.
Wir starten gegen 12:30. Laut meiner Internetrecherche braucht man von der Raxseilbahn etwa 2 Stunden bis zum Habsburghaus. Mit Pausen rechne ich mit etwa 3 Stunden Wegzeit. Oben auf der Raxalm begrüßt uns herrliches Wetter. Beim ersten Wegweiser werden wir etwas stutzig. Das Habsburghaus ist mit knapp 3 1/2 angeschrieben. Mein Mann reagiert leicht genervt, meint, dass das viel zu weit sei. Nach kurzer Diskussion machen wir uns dennoch auf den Weg. Wir gehen davon aus, dass es noch einen anderen Weg zu Hütte gibt, welcher kürzer ist. Nach etwa einer Stunde lassen wir das Ottohaus ohne Einkehr hinter uns und biegen rechts auf den Seeweg Richtung Seehütte ein. Wir wandern durch immer kahler werdende Wäldchen, spazieren durch Steppengras und genießen die Aussicht auf die umliegenden Berge. In der Ferne kann man den Schneeberg ausmachen, welchen wir vor zwei Jahren das letzte Mal besucht haben. Mein Mann lässt kaum eine Pause zu. Der Natuajunge ist völlig fit, wandert vergnügt durch die Landschaft, während meine Tochter die Kräfte schon etwas verlassen.

In der Ferne erkennen wir hoch oben eine Hütte. Mein Mann fragt ob dies denn das Habsburghaus sei, ich verneine und verweise darauf, dass diese Hütte ja noch wahnsinnig weit entfernt sei.
Nach weiteren 1 1/2 Stunden kommen wir bereits etwas erschöpft und ziemlich verunsichert bei der Seehütte an. Wir fragen ob man denn hier übernachten könnte. Immerhin ist es bereits 15:30 und wir machen uns Sorgen um die Fitness unserer Kinder. Der Hüttenwirt versichert uns, dass wir das sicher noch bis zum Habsburghaus schaffen. Es sei von hier nur noch etwa eine Stunde. Die Kinder sehen noch fit genug aus. Gestärkt von Himbeerwasser und Mannerschnitten ziehen wir weiter. Mein Mann ist nun viel entspannter. Mittlerweile nimmt er meine Todesmärsche mit Humor … es war ja nicht der erste.

Nach der Seehütte steigt der Weg steil an. Wir befinden uns mitten in einem Meer aus Latschen. Innerhalb von 20 Minuten und unglaublich vielen Höhenmetern erreichen wir über den Trinksteinsattel das Hochplateau der Rax. Wir kommen an einer Schutzhütte des Alpenvereins vorbei, welche jene Hütte ist, welche ich als viel zu weit weg eingestuft hatte. Lachend ziehen wir weiter. Am Plateau angekommen verlassen unsere Natuatochter ihre letzten Kräfte. Von da an wird sie vom tapferen Papa getragen. Da ich uns diese Suppe eingebrockt habe, trage ich meinen 20 kg Sohn ein Stück des Weges. Wacker kämpfe ich mich voran. Aber mein Sohn ist einfach der zäheste 6-jährige den ich kenne. Nach etwa 5 Minuten weist er daraufhin, dass ich wie eine Dampflok klinge und steigt wieder von meinen Schultern. Mit den Worten er hätte sich jetzt genug ausgerastet hüpft er weiter über den Sattel, vorbei an Latschen und Gräsern, klettert tapfer Geröll hinauf und hinab, lacht und hopst. Ich frage mich immer woher diese Kräfte nimmt.

Wir sind nun bereits seit vier Stunden unterwegs. Erleichtert erblicken wir das Habsburghaus. Wir können es gar nicht glauben: Wir haben es tatsächlich geschafft. Gegen 17 Uhr kommen wir endlich an. Ein paar Wandersleute fragen ungläubig nach, ob wir wirklich alles mit den Kindern bis hierher gewandert sind. Die Natuakinder werden gelobt, wir Eltern etwas schief belächelt. Mir ist das alles mittlerweile egal. Ich bin stolz auf meine großartigen Kinder, auf ihre Energie und ihr Durchhaltevermögen.

Im Habsburgerhaus beziehen wir das zuvor reservierte Matratzenlager, welches in dieser Nacht völlig ausgebucht ist. In der Gaststube herrscht bereits geschäftiges Treiben. Wir bestellen Suppe, Pommes und Würstel. Danach spielen wir noch ein paar Runden Uno. Danach verlässt die Kinder die aller letzte Kraft und wir fallen in unsere Matratzen. Alle sind so müde, dass sie sofort einschlafen.

Am nächsten Morgen erwachen wir gegen 7 Uhr und machen uns frisch für das Frühstück. In der Stube sind schon viele Wandersleute zu gegen. Gegen 8 Uhr machen wir uns an den Abstieg. Die Natuatochter ist nicht wirklich begeistert. Als wir auf dem Weg zwei Gämsen aus nächster Nähe beobachten können und auch noch einen Alpensalamander am Wegesrand entdecken, ist sie mit der Situation wieder gut versöhnt. Der Abstieg zur Seehütte ist für die kleinen Beinchen besonders anstrengend. Wir kehren zu einer warmen Mahlzeit in der Seehütte ein. Es gibt Erbsensuppe mit Frankfurtern, dazu Bier und Saft. Wir sind überglücklich.
Auch die weiteren Etappen sind ziemlich anstrengend für die beiden Kleinen. Der Natuabursche legt den Weg bis zum Ottohaus Großteils allein zurück. Die Tochter muss ab der Seehütte fast durchgehend auf den Schultern getragen werden. Ziemlich müde kehren wir bei der Raxalm zu einem Mittagessen ein. Für den Rückweg vom Habsburghaus bis zur Raxalm haben wir insgesamt 5 Stunden gebraucht. Macht in Summe 9 Stunden wandern in zwei Tagen. Verrückt.
Ich würde diese Wanderung so nicht mehr machen. Es hätte gereicht im Ottohaus zu übernachten und nur die Umgebung zu erkunden. Das wäre wesentlich entspannter gewesen. Jetzt wo wir die Strapazen hinter uns haben, möchte ich die Wanderung allerdings nicht missen. Es war eine tolle Erfahrung über die wir heute noch lachen. Es hat uns mit den Kindern an unsere Grenzen gebracht, aber auch näher zueinander.
Nachtrag im Jänner 2022: Mein Sohn hat sich heute die Bilder des Ausflugs auf die Rax angesehen. Er sah mich mit großen Augen an und langte mir das Versprechen ab, dort nicht mehr hingehen zu müssen. Erst wenn er sieben ist. 🙂
Eckdaten
Schwierigkeit: für Kinder die wirklich zäh und gut zu Fuß sind. Ab 8 Jahren für sportliche Kinder (leicht) schaffbar.
Wegbeschaffenheit: bis zur Seehütte geschotterter, breiter Weg. Ab Seehütte Trampelpfade
Weglänge: ca. 300 Höhenmeter
Tourdaten: Raxalm – 1 h – Ottohaus – 1 h- Seehütte – 1 1/2- Habsburghaus (Hinweg: 3-4 Stunden, Rückweg: 5 Stunden)
Dauer: 3-5 Stunden abhängig von Kondition und Alter des Kindes
Nützliche Links: Raxalpe, Habsburghaus




















